Holzschutz als Planungsbestandteil

Holz: natürlich, schön und schutzbedürftig! Kein anderer Werkstoff ist so vielseitig wie Holz. Als universell einsetzbares Material für Konstruktion und Gestaltung spielt Holz in beinahe allen Stilepochen eine wichtige Rolle. So schätzen wir heute vor allem seine natürliche Anmutung. Doch genau da liegt das Problem. Als Werkstoff aus der Natur ist Holz ein höchst anspruchsvolles Material. Denn Holz braucht Schutz – besonders im Außenbereich. Schutz vor Sonne, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen.

Effektiver Langzeitschutz…

ist jedoch nur über eine auf die jeweilige Objektsituation ausgerichtete Kombination aus konstruktiven, chemischen und physikalischen Holzschutzmaßnahmen zu erreichen.
Holz wird als natürlicher organischer Werkstoff durch Organismen und Umwelteinflüsse abgebaut und in Form seiner Grundbausteine wieder in den Stoffkreislauf eingefügt. Besonders im Außenbereich kann Holz abhängig von seiner Dauerhaftigkeitsklasse durch biotische und abiotische Einflüsse zerstört werden. Dem steht allerdings der Wunsch des
Menschen entgegen, die eingesetzten Baustoffe möglichst lange funktionsfähig und optisch ansprechend zu erhalten.
Hierzu bedient er sich verschiedener vorbeugender Maßnahmen (baulicher, physikalischer und/oder chemischer Holzschutz).

 

Intelligenz statt Chemie ist gefragt

Den „vorbeugenden chemischen Holzschutz” braucht man heute nicht mehr.
Er wurde wieder durch den konstruktiven, das heißt den baulichen Holzschutz ersetzt, wie man ihn seit Jahrhunderten kennt: Holz wird durch trockenen Einbau vor dem Angriff pflanzlicher und tierischer Schädlinge geschützt.

Falsch geplante und gebaute Häuser würden auch trotz des Einsatzes von chemischem, vorbeugenden Holzschutz nicht funktionieren und dieser würde neben der aktiven Schädigung der Bewohner den Verfall eines schlecht gebauten Hauses nicht aufhalten. Genau genommen war der chemische Holzschutz schon immer überflüssig. Er war erst durch die geschickte Lobby-Arbeit der Holzschutzmittelindustrie in die Baugesetzgebung geraten. Zusammen mit entsprechender „Aufklärung” hatte er sogar dazu geführt, dass selbst Holzoberflächen im Innenbereich mit hochgiftigen Substanzen beschichtet wurden.

Immerhin ist es die Aufgabe der pflanzlichen und tierischen Holzschädlinge, dafür zu sorgen, dass das Holz wieder in den natürlichen Kreislauf zurückkehrt, wenn es nicht mehr gebraucht wird!

 

Baulicher Holzschutz

Unter baulichem Holzschutz sind alle planerischen, konstruktiven, baupysikalischen und organisatorischen Maßnahmen zu verstehen, die eine Minderung des Wertes oder der Funktionstüchtigkeit von Holz oder Holzwerkstoffen besondes durch Pilze, Insekten oder Meerestiere während der Gebrauchsdauer verhindern oder einschränken, z.B. durch Vermeidung einer unzuträglichen Veränderung des Feuchtegehaltes von Holz und Holzwerkstoffen oder des Zutritts von holzzerstörenden Insekten zu verdeckt angeordneten Holzteilen.

Eine unzuträgliche Veränderung des Feuchtegehaltes liegt insbesondere dann vor, wenn hierdurch die Brauchbarkeit der Konstruktion durch Schwinden und Quellen beeinträchtigt oder bei der die Voraussetzungen für einen Befall von holzzerstörenden Pilzen entstehen können.

Derartige bauliche Maßnahmen für Hölzer im Aussenbereich sind z.B.:

  • Niederschläge abführen (Vermeidung waagerechter Flächen; Risse nicht nach oben legen; Schaffung von Tropfnasen; Wasserablaufbohrungen dort, wo sich Staunässe bilden kann, Anfasung der Kanten usw.)
  • Tauwasser vermeiden!
  • Verbretterungen hinterlüften (Gewährleistung einer guten Luftzirkulation hinter den Holzbrettern).
  • Weitgehende Vermeidung von Erdkontakt (z.B. Verwendung von Pfostenschuhen)
  • Gefährdete Stellen (vor allem Hirnholzflächen) dauerhaft abdecken

 

Konstruktiver Holzschutz:

Darauf kommt’s an. Schon bei der Planung sollte darauf geachtet werden, dass Holzbauteile vor Durchfeuchtung geschützt sind. Regen- und Tauwasser müssen ungehindert abfließen können. Denn konstruktive Mängel lassen sich im Nachhinein selbst durch das beste Beschichtungssystem nicht ausgleichen. Beim konstruktiven Holzschutz sind insbesondere die folgenden Aspekte zu berücksichtigen:

Ausreichende Dachüberstände

Die Dachüberstände sollten so dimensioniert sein, dass eine direkte Bewitterung so weit wie möglich vermieden wird. Im Spritzwasserbereich ist auf Holzbauteile zu verzichten!

 

 

 

Schutz der Hirnholzflächen

Schnittflächen quer zur Faser (Hirnholz) nehmen besonders leicht Feuchtigkeit auf und haben ein ausgeprägtes Quellvermögen. Deshalb sollte Hirnholz nach Möglichkeit nicht der direkten Bewitterung ausgesetzt werden.

Tropfkanten

Sie dienen dazu, das Wasser möglichst schnell abzuleiten.

 

Gerundete Kanten

Bei maßhaltigen Holzbauteilen – also zum Beispiel bei Fenstern – müssen alle Kanten abgerundet sein, um durch ausreichende Schichtdicke einen guten Kantenschutz zu erzielen.

 

Erdkontakt vermeiden!

 

 

Chemischer Holzschutz

…sollte immer selektiv erfolgen

…also nur, wenn er aufgrund der verwendeten Holzart und der Objektsituation erforderlich ist, und auch nur dort, wo er tatsächlich wirken soll: tief im Holz. Die zu verwendende Imprägnierung muss demnach ein gutes Penetrationsvermögen haben. Vom sogenannten bekämpfenden Holzschutz, also aktiven Maßnahmen zur Vernichtung bereits vorhandener Schadorganismen, ist der vorbeugende chemische Holzschutz klar zu trennen. Bei letzterem geht es darum, Schadorganismen einen Befall des Holzes mittels chemischer Wirkstoffe von vornherein zu verwehren, es also unattraktiv zu machen.

Wichtig zu wissen: Die Stärke des Schutzmantels bestimmt im Wesentlichen die Standzeit ( = Lebensdauer!) der Holzprodukte. Daher gilt: Tiefenschutz ist besser als Randschutz, Randschutz ist besser als Oberflächenschutz!

Um eine Belastung durch Holzschutzmittel -Wirkstoffe so gering wie möglich zu halten, gilt: konstruktiver Holzschutz vor chemischem Holzschutz.

Der vorbeugende chemische Holzschutz für tragende und aussteifende Holzbauteile wird durch die DIN 68800 geregelt. Dort werden den Holzbauteilen Gefährdungsklassen zugeordnet, welche die Ansprüche an die Holzschutzmittel-Wirkstoffe festlegen. Bei einer Zuordnung zur Gefährdungsklasse 0 ist ein chemischer Holzschutz nicht erforderlich. Aber auch bei Zuordnung zu höheren Gefährdungsklassen ist ein chemischer Holzschutz bei der Auswahl von resistentem Holz unnötig.

Beim Verbau in Innenräumen ist ein Befall durch Holzschädlinge praktisch ausgeschlossen und die Verwendung von Holzschutzmitteln damit völlig überflüssig.

 

Fotos: Brillux

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